Die ersten zwei Wochen

 

Manuel und ich waren beide voller Vorfreude, als wir am Samstag, dem 14.8.21, unsere Reise nach Kopenhagen starteten. Wir hatten uns dafür entschieden, den Weg mit dem Auto zurückzulegen und nach einer Übernachtung in Berlin ging die Fahrt am Sonntag weiter. Auf der Fähre von Deutschland nach Dänemark trafen wir auf einen Schweden, der uns erzählte, dass er regelmäßig von Schweden nach Deutschland fährt, nur um Alkohol für ihn und seine Freunde zu kaufen. Die Preise in Skandinavien seinen so absurd hoch, dass sich die Reise auszahlt. Er lädt dann immer seinen Mini Van mit Alkohol voll und transportiert die Fracht nach Schweden zurück. Das war unser erster indirekter Kontakt mit den wirklich saftigen Preisen in Kopenhagen (abgesehen von der Miete fürs Studentenheim). Wir kamen dann erst am Abend an und nach einer kleinen Mahlzeit mussten wird dann auch schon bald ins Bett.

 

 

Am nächsten Morgen ging es dann auch schon gleich mit der Einführungswoche los. Sehr viele neue Gesichter und Namen, alle offen, kontaktfreudig und sympathisch.

 

 

Mir gefällt es sehr, dass hier Austauschstudenten von so vielen unterschiedlichen Ländern und Regionen zusammen kommen. Hier sind viele Spanier, einige Deutsche und auch Niederländer, Russen, Ukrainer, Slowaken, Schweizer, Österreicher, Irländer, Isländer, Italiener und noch mehr. Daraus ergibt sich ein bunter Mix von Leuten, mit denen man sich dank der gemeinsamen Sprache Englisch dennoch gut unterhalten kann. In den Kursen beim Studium sind hauptsächlich aber nicht ausschließlich Austauschstudenten zu finden. Was mich auch überraschte, ist, dass nicht alle Studenten Lehramtsstudenten sind, geschweige denn Primarstufenstudenten. Z.B. studiert jemand Journalismus, eine andere Psychologie und ein anderer Bildungswissenschaften.

 

 

Interessant finde ich auch, wie sich gewisse Sprachen ähneln. So leben in unserem Haus z.B. noch zwei Niederländer und wenn diese miteinander sprechen, kann man immer mal wieder das ein oder andere Wort verstehen – umgekehrt verstehen sie auch viele deutsche Wörter.

 

 

In der Einführungswoche hatten wir einen Dänisch-Crash-Kurs, bei dem wir ein paar einfache Phrasen auf Dänisch lernten. Ich muss zugeben, dass diese aber schon wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden sind. Im dänischen ist es nicht gerade einfach ein Wort richtig auszusprechen, wenn man es nur geschrieben sieht. Allerdings gibt es einige Wörter, die man auch im Deutschen kennt.

 

 

Wer nach Kopenhagen reißt ist mit einer Kreditkarte definitiv im Vorteil. Diese werden hier für verschiedenste Dinge vorausgesetzt, unter anderem zum Ausleihen eines Fahrrades und zum Waschen! Apropos Fahrrad: wir haben uns Räder ausgehliehen (wie alle anderen Austauschstudenten auch) und nützen diese voll aus (wenn es nicht gerade regnet, was es hier bisher sehr oft getan hat). Sich Fahrräder auszuleihen bringt es auf jeden Fall, da es zum einen Spaß macht mit dem Bike auf den vielen Radstrecken herumzufahren und zum anderen Bus & Bahn nicht gerade billig sind. Wer einmal vergisst die „Rejsekort“ auszuchecken, zahlt gleich extra. Wir haben zwar auch das Auto hier, das verwenden wir aber praktisch gar nicht, da man zum einen auch sonst gut rumkommt und es zum anderen sehr schwierig ist Parkplätze mit dem Auto zu finden. Außerdem ist es bei so vielen Radfahren im Verkehr nicht gerade so angenehm mit dem Auto zu fahren.

 

 

Und noch ein Wort zum Wetter: in den vergangenen zwei Wochen hat es viel geregnet, was unter anderem dazu führte, dass im obersten Zimmer unseres Hauses das Wasser durch die Decke tropfte. Auch im örtlichen Lidl (ja, hier gibt’s auch Lidl) tropfte das Wasser durch die Decke und sogar der Kübel, der darunter stand, ist bereits übergelaufen.

 

 

Die ganze Stadt stand bis vor kurzem (und teilweise immer noch) im Zeichen von „Pride“. So sieht man in der ganzen Stadt immer wieder Regenbogenflaggen und Menschen die mit entsprechender Kleidung bzw. Accessoires ausgestattet sind. Interessant finde ich, wie verschiedene Leute dazu stehen: so sind die Niederländer davon begeistert, während eine Russin, mit der ich gesprochen habe, das ganze eher kritisch sieht.

 


September

 

Die Wochen ziehen dahin, inzwischen sind wir schon fast eineinhalb Monate in Kopenhagen. Es fühlt sich hier richtig heimisch an, ich kenne mich immer besser in der Stadt aus und ich hab Leute gefunden mit denen ich mich richtig gut verstehe.

 

 

 

Leute, mit denen ich besonders viel Zeit verbringe, sind unter anderem Umutcan, ein Türke und Lada, eine Russin. Irgendwie kamen wir auf die Idee, verschiedene Kirchen von verschiedenen Glaubensrichtungen zu besuchen. So waren wir an den letzten zwei Sonntagen in einer orthodoxen bzw. in einer protestantischen Messe. Für mich war es interessant einmal in einer russisch-orthodoxen Kirche zu sein, da ich bisher immer nur in katholischen Kirchen war. Die Kirche nennt sich St. Alexander Nevsky Church und ist nach dem gleichnamigen russischen Heiligen benannt. Die Geschichte von Nevsky kurzgefasst, wie sie mir von Lada erzählt wurde: Nevsky brachte es vollstatten, einfallende Deutsche umzubringen, indem er sie auf einen zugefrorenen See lockte. Die leicht bekleideten Russen konnten auf dem dünnen Eis stehen, während die schwer ausgerüsteten Deutschen das Eis zerbrachen und ertranken. Für diese Heldentat wurde er zum Heiligen gesprochen. Mehr dazu Nevsky im Video.

 

 

Vor bzw. in der Alexander Nevsky Church

 

 

In der protestantischen Kirche waren wir mit einer Muslimin, die noch nie in einer christlichen Kirche war. Dementsprechend neu und spannend war die Erfahrung für sie.

 

 

Wir waren auch schon in einigen Museen, letzte Woche war in vielen Museen der Stadt der Eintritt gratis. Außerdem haben wir einen Park mit vielen freiumherlaufenden Rehen besucht. Ebenfalls waren wir in einem Part neben dem botanischen Garten wo sich viele Enten befinden.

 

 

Als nächstes steht auf unserem religiös-kulturellen Plan gemeinsam eine Moschee zu besuchen.

 

Die Entscheidung Fahrräder auszuleihen war die absolut richtige. Die Bikes sind täglich im Einsatz, bei Sonne, Wind, Regen und Sturm. Ich habe bereits einige Crashes mit dem Fahrrad hinter mir (siehe Video), glücklicherweise ist mir nie ernsthaft was passiert und das Fahrrad ist überraschenderweise auch noch weitestgehend in Schuss. Von der Polizei sind wir auch schon aufgehalten worden, weil Lada und ich zu zweit auf einem Fahrrad gefahren sind – zum Glück kamen wir ohne Konsequenzen davon, denn normalerweise zieht das eine Geldstrafe von 700 dkk – das sind knapp 100€ – mit sich.

 

 

Das Schutzblech ließ sich übrigens wieder mehr oder weniger in die normale Position zurückbiegen.

 

Englisch zu sprechen fühlt sich gut an, macht mir Spaß und funktioniert weitestgehend ohne Probleme. Ein paar von den Austauschstudenten haben einen ziemlich starken Akzent (vor allem die aus Ghana), was es teilweise schwierig machen kann, sie zu verstehen. Wirklich schlimm ist das aber nicht, da man natürlich jederzeit nachfragen kann, wenn etwas unklar ist. Das Alltagsvokabular füllt sich auch schön auf – das englische Wort für z.B. Wäscheständer kannte ich vorher noch nicht, ist mir jetzt aber geläufig. Im Allgemeinen verwende ich mehr Gestik und Mimik als im Deutschen, um das, was man mit Worten vielleicht nicht immer perfekt ausdrücken kann auszudrücken. Etwas eigenartig kann es sein, wenn der Gesprächspartner während einem emotionalen bzw. intimen Gespräch plötzlich ein Wort am Handy nachschauen muss, aber auch daran gewöhnt man sich.

 


„Life begins at the end of your comfort zone.“

 

Life begins at the end of your comfort zone.“ - Neale Donald Walsch

 

Auf dieses Zitat von Neale Donald Walsch möchte ich im Folgenden eingehen. Walsch ist ein US-Amerikanischer Autor und vor allem durch seine Triologie „“Gespräche mit Gott“ bekannt. Auch das anfängliche Zitat stammt hieraus.

 

 

Zuerst ein paar Worte zur „Komfortzone“ – man hört diesen Ausdruck relativ oft, aber was genau ist damit gemeint? Im Allgemeinen wird mit Komfortzone ein Bereich des Lebens bezeichnet, der vor allem durch Bequemlichkeit und Risikofreiheit sowie Sicherheit gekennzeichnet ist. Menschen, die sich ständig in ihrer Komfortzone befinden, wagen also nichts Neues, gehen keine Risiken ein und lassen sich so eine wertvolle Chance entgehen, sich persönlich weiterzuentwickeln und zum positiven zu verändern. Auch wenn sich die Komfortzone angenehm anfühlt, ist es enorm wichtig sie regelmäßig zu verlassen, denn außerhalb der Komfortzone ist der Bereich, wo persönliches Wachstum wirklich möglich ist. Wer es mit der Komfortzone übertreibt und sich zu vielen neuen Herausforderungen stellt kann in der Panikzone landen. In dieser Zone ist der Stress zu stark, Panikattacken sind möglich und dies kann negative Auswirkungen auf dein Selbstwertgefühl haben.

 

 

Was in und was außerhalb der eigenen Komfortzone liegt ist von Person zu Person unterschiedlich. Was eine Person in völligen Stress versetzt, ist für die Nächste vollkommener Alltag und liegt mitten in der Komfortzone. Ein Auslandssemester zu absolvieren bietet natürlich viele Möglichkeiten, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Gerade am Anfang als ich hier nach Kopenhagen gekommen bin, fühlte ich mich sehr aus meiner Komfortzone gerissen. So viele neue Dinge auf einen Schlag – das erste Mal alleine wohnen, duzende Leute von den unterschiedlichsten Ländern kennenlernen, an einem Ort sein, wo man sich nicht auskennt und in einem Land leben, wo man die Sprache nicht spricht. In der Panikzone befand ich mich nie, aber das häufige Verlassen der Komfortzone hat auf jeden Fall zu einigen Änderung in mir geführt. Ich fühle mich inzwischen deutlich wohler, meine Komfortzone zu verlassen. Zudem habe ich mich inzwischen schon an viele Dinge hier gewöhnt, ich kenne die Leute hier, die Umgebung und bin es gewohnt mich selbst ums Essen, waschen, putzen, etc. zu kümmern. In anderen Worten: meine Komfortzone hat sich ausgeweitet; was mich anfänglich noch nervös stimmen konnte, ist inzwischen in meiner Komfortzone gelandet und fühlt sich ganz gewöhnlich an.

 

 

Ein gutes Beispiel für die Veränderung meiner Komfortzone ist auch die Verwendung von Englisch. Auch wenn ich mich am Anfang schon ziemlich wohl Gefühlt habe, Englisch zu sprechen, brachte es mich mitunter aus der Ruhe, wenn mir ein Wort nicht einfiel oder mir das passende Vokabular fehlte. Mit der Zeit wurde ich besser, das fehlende Wort zu umschreiben oder auch schnell mal ein Wort am Handy nachzuschauen. Inzwischen bringt es mich also auch nicht mehr aus der Ruhe, über Themen zu sprechen, wo mein englisches Vokabular lückenhaft ist.

 

Ich kann dem Zitat von Neale Donald Walsch auf jeden Fall zustimmen. Das Leben beginnt wirklich da, wo die Komfortzone endet. Für ein Wochenende kamen mich meine Mutter und mein Bruder besuchen. Mit ihnen Zeit zu verbringen brachte mich wieder zurück in die Komfortzone, was sich sehr gut aber auch fast etwas langweilig anfühlte.

 

 

 

Ich will auf jeden Fall noch anmerken, dass die Zeit hier in Kopenhagen für mich unglaublich wertvoll ist und ich extrem dankbar dafür bin, hier ein Semester studieren zu dürfen. Ich denke in noch keiner Phase meines Lebens konnte ich meine eigene Entwicklung so schnell beobachten. Dieses Auslandsemester zu bestreiten, das kann ich bereits jetzt sagen, war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

 


Money, money, money

 

6.11.21

Heute habe ich mich dazu entschlossen etwas darüber zu berichten, auf welche Art und Weise ich mein Geld hier in Dänemark ausgebe. Im Folgenden werde ich auf ein paar Beispiele eingehen, bei denen ich entweder zufrieden oder enttäuscht vom Einsatz meines Geldes war – auf Alltagsausgaben wie Lebensmitteleinkäufe gehen ich in diesem Eintrag jedoch nicht ein, also nur „Spezialausgaben“.

 

Lada und ich waren vorletztes Wochenende im Westen von Dänemark (Ribe), um dort an einer Muschel-Such-Tour teilzunehmen. Die Tour war geführt und kostete 300 dänische Kronen, also rund 40€ pro Person. Der Tour-Guide führte uns 4 Kilometer lange vom Strand geradeaus ins Meer hinein, wo wir auf kleine Inseln voller Austern stießen. Ausgerüstet waren mit Gummistiefeln und einer direkt daran angebrachten wasserfesten Hose, die etwa mit zur Mitte des Bauches hochging und mit Hosenträgern oben gehalten wurden. Diese Ausrüstung ist auf jeden Fall notwendig, da die Wasserhöhe sich ständig ändert und man daher besser zu viel als zu wenig Schutz mitbringt. Der Marsch durch Wasser bietet eine wunderschöne Aussicht und wir hatten Glück mit dem Wetter, es war strahlender Sonnenschein. Das Geld für die Tour hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich mich als eigentlicher Vegetarier SEHR dazu überwinden musste, die Austern runterzuschlucken.

 

 

Für die Anreise nach Ribe, die per Auto etwa 3 Stunden dauert, haben wir uns dazu entschlossen, einen Leihwagen zu mieten. Nachdem wir uns den gewünschten Wagen auf der Website zu einem sehr akzeptablen Preis reserviert haben, war ich bei der Abholung dann doch ziemlich überrascht, dass der tatsächliche Preis dann doch um einiges höher ausfallen wird. Der Grund für die Differenz war, dass ich bei der Online-Reservierung angegeben habe, dass ich Österreicher bin. Als ich dann in Person dort war und angegeben habe, dass ich derzeit in Dänemark wohne und eine CPR-Nummer habe, erklärte mir der Angestellte, dass ich dann mehr Steuern zahlen muss. Letzten Endes hätten wir das Auto aber wohl auch gemietet, wenn wir den höheren Preis im Vorhinein gewusst hätten, denn um in den Westen nach Dänemark zu kommen, gibt es nicht wirklich gute Alternativen. Auf dem Weg in den Westen muss man eine Brücke überqueren, die eine Mautpflicht hat. Einmal überqueren kostet 250 Kronen – also gesamt 500 Kronen, was doch extrem viel für diese recht kurze Brücke ist. Umfahren werden kann sie allenfalls nicht. Für das Aufladen unseres Elektroautos haben wir gut 40€ bezahlt – gefahren sind wir gut 600 Kilometer.

 

 

Eine gute Entscheidung war, im Auto zu übernachten. Dadurch ersparten wir uns ein Zimmer und zudem war es etwas, was ich lange schon mal ausprobieren wollte. Zum Glück hatten wir viel warme Kleidung und Bettsachen mitgebracht, um es im Auto bequem und warm zu haben – denn die Temperaturen sind inzwischen auch bei schönen Wetter sehr niedrig.

 

 

Sehr beliebt hier ist auch der sogenannte „Absalon“ – eine alte Kirche umgebaut zu einem Gemeinschaftszentrum, das für verschiedenste Veranstaltungen genutzt wird. Besonders empfohlen wurde uns das Gemeinschaftsessen dort. Freitags und samstags gibt es dort um 100 Kronen eine Hauptspeise plus Dessert, an den restlichen Tagen gibt es um 50 Kronen eine Hauptspeise. Wir waren an einem Samstag dort, haben also die 100 Kronen für das Menü inklusive Dessert bezahlt, und waren dann doch leicht enttäuscht, dass der Dessert, der ja zu einem Aufpreis von 50 Kronen führt, nur aus einem Mini-Kuchen-Stück bestand. Es wäre wohl die bessere Wahl gewesen, an einem Tag um 50 Kronen zu gehen, dennoch hatten wir eine Menge Freude mit dem Essen in guter Atmosphäre und netten Leuten.

 

 

Ende Oktober waren wir auf einer Halloween-Party in einem Club – für die Eintrittskarten bezahlten wir im Vorverkauf 40 Kronen. Wer die Karten am Tag der Party gekauft hat, musste 70 Kronen bezahlten. Leider war die Party dennoch enttäuschend und Lada wurde aus dem Club geschmissen – also wirklich rentiert haben sich die 40 Kronen nicht.